Motiv für die Genitalverstümmelung

"Genitalverstümmelung ist ein Versuch, Frauen eine untergeordnete Stellung zuzuweisen, indem man sie mit diesem Stigma versieht, das sie herabsetzt und ständig daran erinnert, dass sie nur Frauen sind, dass sie nicht einmal das Recht über ihren eigenen Körper haben oder auf körperliche und persönliche Erfüllung."
Genitalverstümmelung ist kein „Ritual“ und kein Brauch, sondern schwere Gewalt.
Sie dient der Kontrolle. Kontrolle über den Körper. Kontrolle über Sexualität. Kontrolle über soziale Zugehörigkeit.
Genitalverstümmelung soll sicherstellen, dass Mädchen „keusch“ bleiben, heiratsfähig sind und den Erwartungen ihrer Gemeinschaft entsprechen. Ihre Sexualität wird zur Angelegenheit der Familie erklärt – und damit zur Frage von Ehre, Status und wirtschaftlichem Vorteil.
Zur Aufrechterhaltung dieser Gewalt werden unterschiedliche Rechtfertigungen bemüht:
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angebliche religiöse Pflichten
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Tradition und Ahnengehorsam
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Vorstellungen von Reinheit und Schönheit
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medizinische Mythen
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soziale Drohkulissen
Diese Rechtfertigungen unterschieden sich je nach Region, Ethnie oder sozialem Milieu. Das Muster bleibt gleich: Mädchen sollen gefügig sein.
Wer sich widersetzt, riskiert Ausgrenzung. Familien werden unter Druck gesetzt. Mädchen werden sozial sanktioniert. Die Angst vor diesen Konsequenzen hält das System aufrecht. FGM ist Ausdruck eines Machtverhältnisses.