Praktik

Alles über Motiv, Folgen und Verbreitung der Praktik

Praktik der Genitalverstümmelung

Genitalverstümmelung ist ein äußerst gewalttätiger Eingriff in den Körper eines Mädchens, der schwerste Schäden hinterlässt und nicht rückgängig gemacht werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet als weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, FGM) sämtliche Eingriffe, bei denen ein Teil der äußeren Geschlechtsorgane oder das gesamte äußere Genital aus nichtmedizinischen Gründen entfernt wird.

Gefährdet sind Mädchen vom Säuglings- bis zum Teenageralter, manchmal werden sie auch erst vor oder nach der Entbindung ihres ersten Kindes der Verstümmelung unterworfen. Je nach regionaler oder ethnischer Zugehörigkeit gehen die Ausführenden unterschiedlich vor. Die WHO unterscheidet vier Typen der Praktik:

Klitoridektomie (Typ I)
Den meisten Mädchen wird in einer qualvollen Prozedur der sichtbare Teil der Klitoris herausgeschnitten. Die Klitoris ist das erektile Organ, analog dem männlichen Penis. Entwicklungsbiologisch und ausgehend von der Gefühlssensorik entspricht die Klitoris dem männlichen Penis. 

Exzision (Typ II)
Zusätzlich zur Klitoridektomie werden vielen Opfern die kleinen Schamlippen (innere Labien) und gelegentlich die großen Schamlippen (äußere Labien) ganz oder teilweise entfernt. Etwa 80 Prozent aller Opfer sind von den beiden Formen Klitoridektomie oder Exzision betroffen.

Infibulation (Typ III)
Bei etwa 15 Prozent aller Opfer werden der sichtbare Teil der Klitoris, die kleinen und die großen Schamlippen herausgeschnitten. Die Vagina wird anschließend bis auf eine minimale Öffnung verschlossen für den langsamen Austritt von Urin und Menstruationsblut (nach dem lateinischen Ausdruck Fibula für Verschluss). Hierbei kommt es in äußerst seltenen Fällen vor, dass die Klitoris erhalten bleibt und unter der Narbendecke liegt. Für den ersten Geschlechtsverkehr muss die Vagina aufgeschnitten (Defibulation) und die Wunde täglich penetriert werden, um die Öffnung zu erhalten. Nach Geburten wird die Vagina erneut verschlossen (Refibulation) und diese Prozedur wiederholt, solange Restgewebe vorhanden ist.

Typ IV
Es existieren eine Reihe von Variationen, die von regionalen Gebräuchen oder der Gewohnheit der Ausführenden abhängen. Die WHO führt Praktiken wie das Verbrennen, Auskratzen oder Einstechen der Vagina oder das Verätzen der Klitoris an.

Tatumstände und Täter(innen)
In den meisten Fällen wird die Tat unter katastrophalen hygienischen Bedingungen sowie ohne Betäubung und Schmerzmittel von traditionellen Verstümmlerinnen (häufig beschönigend "Beschneiderin" genannt) verübt, die häufig auch als Geburtshelferinnen tätig sind. Als Tatwerkzeuge dienen dabei Messer, scharfkantige Steine und Rasierklingen. In manchen Ländern, wie Ägypten oder Niger gehen auch Barbiere diesem Geschäft nach. In Ägypten zum Beispiel wird das gesetzliche Verbot weitestgehend ignoriert oder umgangen. Die Gewalt ist dabei sowohl in den ländlichen Gebieten als auch in den Städten Ägyptens stark verbreitet.

Trend zu "Medikalisierung
Zunehmend wird die sexuelle Verstümmelung der Mädchen unter hygienischeren Umständen, mit Betäubung und Schmerzmitteln verübt. Dieser Trend zur sogenannten Medikalisierung der Praktik sorgt dafür, dass immer mehr medizinisches Personal und Ärzte die Verstümmelungen gegen Bezahlung durchführen. Das ist der Fall etwa in Dschibuti, Somalia, Sudan und Ägypten, wo in über 75 Prozent der Fälle Ärzte und medizinisches Personal an den Taten beteiligt ist.

Über SAIDA International e.V.

Wir setzen uns für die Umsetzung von Frauen- und Kinderrechten in Entwicklungsländern ein. Schwerpunkte unserer konkreten Projektarbeit sind Mädchenbildung, Schutz vor Genitalverstümmelung und Kinderehe, Stärkung von Frauen sowie die Verbesserung der reproduktiven Gesundheit. 

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