Verharmlosende Sprache

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Verharmlosende Sprache

African women
„Let us stop this dance with words around Female Genital Mutilation.“
Morissanda Kouyaté

Sprache ist nicht neutral. Sie entscheidet, ob Gewalt klar benannt oder abgeschwächt wird.

Begriffe wie „Mädchenbeschneidung“ oder „weibliche Beschneidung“ verharmlosen die Tat. Sie verschieben den Fokus von der Gewalt hin zu einer kulturell klingenden Praxis. Das wird der Realität nicht gerecht.

Der Begriff female genital mutilation (FGM), also „weibliche Genitalverstümmelung“, wurde 1990 vom Inter-African Committee on Harmful Traditional Practices (IAC) beschlossen – einem Zusammenschluss afrikanischer Initiativen. Ziel war es, die Schwere der Verletzung eindeutig zu benennen.

Auch in der sogenannten Bamako-Deklaration bekräftigte das IAC, dass weniger deutliche Begriffe die Gewalt verschleiern. 

Die Forderung nach sprachlicher Abschwächung kommt häufig von außen. Afrikanische Aktivistinnen haben früh darauf bestanden, die Gewalt klar zu benennen.

Aus Respekt vor den Betroffenen verwendet SAIDA bewusst den Begriff Genitalverstümmelung (FGM). In Medien und Fachdiskursen sollte diese Terminologie konsequent verwendet werden. Im individuellen Beratungskontext wählen die Klientinnen den für sie passenden Begriff.

Bamako-Deklaration unterstützen!

Beschönigende Sprache ist nicht harmlos. Daher unterstützt SAIDA die Forderung des Inter-African Committée (IAC), das bei seiner Generalversammlung 2005 in Bamako eindringlich an die Weltöffentlichkeit appelliert hat: Wir alle sollen konsequent den Begriff „weibliche Genitalverstümmelung“ (Female Genital MutilationFGM) verwenden und Abstand nehmen von verharmlosenden Ausdrücken. In der Bamako-Deklaration heißt es:

„Wir erkennen, dass, obwohl es für Nicht-AfrikanerInnen weniger bedrohlich sein mag, andere, weniger konfrontative Begriffe zu verwenden, um mit den Communities in Dialog zu treten, es imperativ ist, den Begriff Genitalverstümmelung beizubehalten.“

Originalzitat
„We recognize that while it may be less threatening for non-Africans to adopt other less confrontational terminology in order to enter into dialogue with communities, it is imperative that the term FGM is retained.”

„Der Begriff FGM ist nicht wertend. Es ist stattdessen ein medizinischer Begriff, der das widerspiegelt, was den Genitalien von Mädchen und Frauen angetan wird. Es ist eine kulturelle Realität: Verstümmelung bedeutet die Entfernung gesunder Körperteile. Die Tatsache, dass sich manche Leute mit diesem Begriff unwohl fühlen, ist keine Rechtfertigung für seine Nicht-Verwendung.”

Originalzitat
“The term FGM is not judgmental. It is instead a medical term that reflects what is done to the genitalia of girls and women. It is a cultural reality. Mutilation is the removal of healthy tissue. The fact that the term makes some people uneasy is no justification for its abandonment.”

„Was gibt anderen als AfrikanerInnen das Recht, eine Terminologie zu verändern, die von der weltweit größten Vereinigung afrikanischer AktivistInnen auf diesem Gebiet vereinbart wurde? Das ist bestenfalls Paternalismus und ein trauriges Abbild davon, wie jetzt, nachdem afrikanische Frauen seit Jahren gegen FGM arbeiten, die Kampagne von anderen übernommen wurde, die nicht von Anfang an dabei waren und denen die Art des Kampfes nicht passt.“

Originalzitat
“Indeed what gives anyone but Africans the right to change a term agreed upon by the largest group of African activists on this issue in the world? This is at best paternalism and is a sad reflection of how after many years of African women working against FGM, at the time when FGM was a taboo, the campaign has been high-jacked by others who were not involved at the beginning and do not appreciate the nature of the struggle.”
Lesen Sie die Deklaration von Bamako (2005) hier

Über SAIDA International e.V.

SAIDA International e.V. setzt sich seit 2010 für Frauen- und Kinderrechte ein. Im Mittelpunkt steht der Schutz von Mädchen vor Genitalverstümmelung und Kinderehe – in Deutschland und weltweit. Mit der SAIDA Fachberatungsstelle, SAIDA mobil und dem SAIDA Kompetenzzentrum leisten wir Prävention, Schutz, Beratung, Versorgung und Fortbildung. 

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